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XING  
Mai 2003
 
 
Ich glaub mich trifft der Schlag, jetzt pellt sich auch noch die Haut an meinem Fuß. Vielleicht sollte ich als Leprakranke an der Parade mitkriechen. Auf den Schock musste ich erst mal shoppen gehen. Nichts muntert mich mehr auf, als ein gepflegter Einkauf bis die Kreditkarte glüht. Das und guter Sex! Der ist allerdings viel schwerer zu bekommen. Mein Verehrer aus dem Gästebuch meldet sich auch nicht. Na ja, ich bin es ja langsam gewohnt, dass die Männer Angst vor mir haben. Sie können halt nicht mit einer starken Frau umgehen. Eines Tages wird schon der richtige kommen. Ich kann ja nicht kommen, mit nur einem Fuß!
 
 
Meine Fuß sieht aus, als hätte ich drei Wochen in Stalingrad im Graben gelegen. Gewisse Ähnlichkeiten mit dem Penner aus dem Friesenwall, der mit seinem freigelegten Raucherbein versucht Mitleid zu erhalten, kann ich echt nicht leugnen. Hoffentlich geht das bis zum CSD weg, sonst muss ich als Hilde Knef mitgehen, dann kann ich wenigstens so tun, als gehöre das Bein zum Kostüm!
 
 
Heute bin ich schließlich doch noch nach Hamburg geflogen. Hier habe ich wenigstens meine Ruhe über die Tage und genieße meinen Landsitz – sofern man meine Villa an der Binnenalster als Landsitz bezeichnen kann. Diese gaffenden Touristen, die dauernd versuchen über den Zaun zu glotzen, um mich mal ganz privat zu erleben nerven schon. Zum Glück habe ich meine Rottweiler, die mir doch schon erheblich dabei helfen etwas Ruhe zu bekommen.
 
 
Am Montag mußte ich ja wieder ins Büro. Die Woche zuhause war genug, um einen Berg an Arbeit auf mich warten zu lassen. Allerdings hatte ich gestern und heute ein Seminar in Seeheim - mitten im Odenwald. Das Wetter ist ja immer noch genial und so entschloß ich mich seit Ewigkeiten mal wieder nach Hamburg zu fliegen. Als ich abends einchecken wollte wurde ich doch tatsächlich abgelehnt. Die Maschine sei um achzig Plätze überbucht und ich hätte keinerlei Chance irgendeinen späteren Flug zu bekommen, da die auch schon voll seien. Na super, da stand ich nun mit meinem Überseekoffer - schließlich plante ich eine Woche unterwegs zu sein. Was blieb mir anderes übrig, als mit dem Koffer im Schlepp zum Bahnhof zu humpeln. Schließlich mußte ich ja wohin und da Hamburg wohl nicht möglich war und die nächste Köln Maschine erst in fünf Stunden ging entschloß ich mich lieber mit dem gemeinen Volk im Zug zu fahren. Der nächst mögliche ging in zwanzig Minuten. Zum Glück mußte ich diese Info nicht auf einer der Infotafeln finden, sondern WAP machte es möglich. Zur irgend etwas muß es ja taugen. Nachdem ich mein Ticket hatte und gerade am Gleis ankam trudelte auch schon der Zug ein. Zum Glück wieder mal unpünktlich, sonst hätte ich ihn nicht erreicht. Zu meinem Pech stand ich jedoch am falschen Ende. Fuhren doch tatsächlich nur noch erste Klasse Waggons an mir vorbei. Da die schon ausgebucht war mußte ich ja letztlich wirklich in der zweiten Klasse fahren! Na ja, beherzt humpelte ich den Bahnsteig entlang, um zum 2.Klasse Waggon zu gelangen - mit dem Koffer wollte ich ganz sicher nicht durch die engen Gänge der Waggons wandern. Doch weit gefehlt. Gerade, als ich in Höhe des Restaurantwagen war hörte ich den Schaffner pfeifen und wie sich die ersten Türen schlossen. Ich schmieß mich mit letzter Kraft in den Eingang, da knallte auch schon die Tür zu. Vielmehr klemmte sie meinen Koffer ein. Zum Glück stand noch ein Mann ein meiner Höhe am Gleis, der die Situation erkannte und meinem Koffer einen Schups gab, so dass der auf mir landete und die Tür ins Schloß viel. Na herzlichen Dank, Deutsche Bahn, das ist echt Service am Kunden. Völlig genervt schleppte ich als nun doch den Koffer hinter mir durch die Gänge, auf der Suche nach meinem reservierten Sitzplatz. Ein bisschen Glück hatte ich dann ja doch noch, mein Abteil war direkt im Anschluß an das Restaurant. Der Heimfahrt stand also nichts mehr im Wege.

Von wegen! Nach kaum einer Stunde Fahrt, wir waren gerade in Koblenz eingetroffen, kam eine Durchsage, dass er irgend welche Probleme mit der Streckenführung gäbe und wir nicht via Bonn fahren würde. Das sollte aber nicht das Problem für mich sein, dachte ich. Doch statt einfach rechtsrheinisch weiter zu fahren, hielten wir uns noch eine geschlagene dreiviertel Stunde am Bahnhof auf. Das hatte zur Folge, dass ich tatsächtlich nach drei Stunden erst in Köln am Bahnhof ankam. Da wundert man sich nicht ein bisschen, dass die Bahn rote Zahlen schreibt, bei dem Umgang mit seinen Gästen!

Über dieses Chaos des Tages hatte ich doch fast mein einjähriges homepage Jubiläum vergessen. Zuhause angekommen, mit nem Eisbeutel am Bein endetet dieser Abend mit einer Flasche Rotwein und Brad Pit auf der Mattscheibe noch ein wenig besinnlich!
 
 

Heute bezog Mel in ihr Chalet in Junkersdorf. Obwohl sie ja ein professionelles Umzugsunternehmen engagiert hatte war meine Anwesenheit natürlich von Nöten. Schon alleine, um die verschwitzten Leiber der muskulösen Möbelpacker zu begutachten. Ich liebe Arbeit; stundenlang könnte ich dabei zusehen!

Die Strafe für meine Unvernunft folgte natürlich auf den Fuß – im wahrsten Sinne. Mein Fuß sieht aus, als gehöre er zum Hulk, auch wenn er nicht so grün ist. Das heißt für mich, dass ich morgen zuhause bleibe und den Fuß wieder mal hochlegen und kühlen werde – ich kann es schon nicht mehr hören.

 
 
Um den Schein zu wahren lege ich die Bandage an und nehme die Krücken auf dem Weg zum Arzt. Schließlich soll er glauben, dass ich ein artiges Mädchen bin. Zu meiner Überraschung sagt er mir, dass ich weder die Bandage noch die Krücken benutzen muss. Der Fuß wird auch so heilen und ich soll einfach vorsichtig gehen. Das heilt schon alles von ganz alleine. Und dann gibt er mir noch auf den Weg, dass ich den Fuß kühlen und hochlegen soll. Ganz was Neues. Jetzt habe ich vier Ärzte besucht und komme mit vier Meinungen nach hause. Jetzt reicht es. Ich bleib zuhause und warte, dass der Fuß einfach wieder normal aussieht.
 
 

Die Bandage habe ich schon in die Ecke verbannt. Mein Knöchel pocht dermaßen darunter, dass ich lieber riskiere in Zukunft nur noch in Birkenstock laufen zu können, als dass ich diese Schmerzen weiter ertrage! Die Schwellung will aber einfach nicht abnehmen und der Bluterguss wandert mittlerweile langsam in den Vorderfuß, echt schick! Was ich immer noch nicht weiß, wie lange ich eigentlich noch diesen Fuß hochlegen soll. Diese Information habe ich noch von keinem Arzt erhalten. Also mache ich noch mal einen Termin für morgen früh bei Isa’s Orthopäden aus. Mal sehen, was der tolles zu berichten weiß.

Um endlich mal wieder aus dem Haus zu kommen besuchte ich Keanu heute im Kino. Der lang ersehnte zweite Teil von Matrix kam raus! Der Hammer! Bis auf eine Kampfszene waren die Tricks echt gut gemacht. Was für eine Schnitte. Von dem würde ich mich auch mal reloaden lassen.

 
 

Heute bin ich noch mal in die Ambulanz vom Eduardus Krankenhaus gehumpelt. Mir kommt es spanisch vor, dass ich keinen Gips bekomme. Ich weiß zwar, dass man heutzutage nicht mehr operiert, aber irgendwie muss der Fuß doch fixiert werden!

Im Krankenhaus lästert der Arzt über meinen Hausarzt, dass demnächst jeder Hautarzt mit einem Wochenendseminar sich schon Orthopäde schimpfen darf. Um seine Kompetenz zu beweisen gibt er mir eine Bandage aus Neopren und die junge lesbische Assistentin will mir glatt Krücken in Lila geben. Zugegebenermaßen passen die hervorragend zu ihrer Haarfarbe, ich habe dann aber doch um eine dezentere Farbe gebeten, was in schwarz endete.

Frisch motiviert humple ich aus der Ambulanz, mit der Anweisung den Fuß zu kühlen und hochzulegen. Das hab ich ja noch nie gehört. Mit den Krücken brauche ich jetzt noch länger vorwärts zu kommen!

 
 

Mir ist langweilig. Ich liege dumm rum und glotze Fernsehen. Komisch, dass ich ganz normal laufen kann. Der Knöchel sieht war aus, als hätte ich einen Tennisball implantiert bekommen und der Fuß ist dick wie bei einer Supermarktverkäuferin, die den ganzen Tag hinter der Kasse gestanden hat und der Bluterguss erinnert mich an das Raucherbein des Typen, der vor dem Stüssgen immer um Geld bettelt, aber Schmerzen habe ich eigentlich kaum welche.

 
 
Heute durfte ich zum Hausarzt. Unglaublich wie mich dieser Bänderriss hindert. Ich brauche für die kürzesten Strecken eine Ewigkeit. However. Der Arzt sagte mir das gleiche, wie schon gestern der Doc. Ich soll den Fuß kühlen und hochlegen. Super. Das kann ja spannend werden.
 
 
What a day! Ich war verhältnismäßig früh auf und schmiß mich direkt mal an den rechner, um bisschen in meinem Tagebuch zu schreiben und zu sehen, ob mir mal wieder jemand etwas ins Tagebuch geschrieben hat. Ominöser Weise hat mir auch ein gewisser Christophe einen Eintrag reingesetzt, mit dem ich kaum was anfangen konnte.

Anyway, Jörg war auch schon so früh wach und verschwand auch recht schnell mit seinem Liebelein auf nen Trödelmarkt. Da ich heute nichts weiter geplant hatte beabsichtige ich einen ruhigen Tag in der Sauna zu verbringen und mich mit Massagen verwöhnen zu lassen. Da rief mich meine alte Freundin an, die mit mir am Rhein spazieren gehen wollte. Da ich ja genug Zeit hatte sagte ich ihr beherzt zu, da so ein bisschen Bewegung ja nicht schaden konnte. Nachdem ich aufgelegt hatte, um ins Bad zu gehen und mich in die Fluten zu stürzen, verhedderte sich mein rechter acht Zentimeter Absatz, der flachsten Schuhe, die ich besitze in meinem bodenlangen Morgenmantel. Geistesgegenwärtig schmiß ich meine Kaffeetasse, im Fall in die Ecke und dämpfte meinen Aufprall mit meinen Armen. Noch völlig verdutzt über diese Aktion spürte ich plötzlich diesen Schmerz in meinem rechten Fuß. Da ich ja nicht jammerlappig bin robbte ich auf den Ellenbogen ins Bad, wo ich mich auf's Klo setzte, um meinen Knöchel zu begutachten. Na das sah ja gar nicht nett aus. Eher, als wäre ein Siliconkissen, in der Größe von Mel's rechter Brust, an diese Stelle gerutscht. Bevor ich weitere Aktionen planen konnte verspürte ich eine gewisse Übelkeit und Schwindelgefühl, wie ich sie sonst nach zehn Pushkin Red nur kenne. Als ich meine Augen wieder öffnete saß ich bzw. lag ich rücklings auf dem Wasserkasten der Toilette, den Kopf in dem Zeitungsständer, der dort an der Wand hängt, nicht wissend wo ich war geschweige denn welcher Tag oder welche Uhrzeit. - Wurde ich doch tatsächlich ohnmächtig, wie so eine alte senile Dame, die das Wort "Titte" hört! Beherzt robbte ich zurück zum Telefon im Westflügel, um Isa den Spaziergang abzusagen. Zehn Minuten später war ich plötzlich umringt von ihrer Exfreundin, die Medizinstudentin, die mir in den schillernsten Farben ausmalte, wie mir der Knöchel aufgeschnitten würde und ich die nächsten sechs Wochen mit Krücken durch die Landschaft hinken dürfte! Auf jeden Fall war der Sonntag erstmal für mch gelaufen - ha ha!

Um nicht länger im Dunkeln zu tappen (gibt es eigentlich nur Beschreibungen, die mit Mobilität zu tun haben?) fuhr mich Isabella, zusammen mit Jörg und dessen Lover, die mittlerweile vom Trödel zurück waren und ziemlich irritert geschaut hatten, als die Bude voller Frauen war (dachten wohl ich hätte die Seiten gewechselt!) ins Krankenhaus, um mir den vorläufigen Befund von Frau Mittmann bestätigen zu lassen eine Bänderriss zu haben. Gemäß Anweisung des Doc muß ich jetzt mindestens eine Woche das Bein hochlegen und kühlen. Gegen Beine in die Höhe habe ich prinzipiell ja nix, solange ein Mann dazwischen kniet!

Was für eine Sommerpause!
 
 
Eigentlich sollte es ein ganz ruhiger Samstag werden. Als ich gestern von der Show heim kam erfuhr ich von meinem Mitbewohner, dass er heute nach Mönchengladbach fahren wolle, um beim Lagerverkauf von Cinque zuzuschlagen. Allerdings würde er schon um neun Uhr losfahren. Als ich um zwei Uhr ins Bett ging hielt ich es noch für völlig absurd, dass ich da mitfahren würde. What did I know! Dank seniler Bettflucht wurde ich doch tatsächlich schon um acht Uhr wach und hörte bereits Jörg durch die Wohnung wuseln. Also stand ich auf. Na das hätte ich besser bleiben lassen. Kaum waren wir um zehn im Lager angekommen hatte ich auch schon fünf Minuten später die ersten Fummel in der Hand und kaum eine Stunde später war das Limit meiner EC Karte ausgeschöpft - ganz zu schweigen von dem Cash, das ich durch die gestrige Show in der Tasche hatte! Das Beste an allem war aber, dass wir rechtzeitig zu Will & Grace wieder zuhause waren und ich vor der abendlichen Show von Betty LaMinga bereits alte Klamotten aus meinem Schrank aussortiert und die neuen einsortierte hatte!

Die Show von Betty war genial! Zum Glück ist diese Frau alt genug, um gute Musik zu kennen und nicht nur diesen Britney und Christina Quatsch, der täglich im Radio läuft. Klaase Musik, gepaart mit einer gutaussehenden Sängerin mit brillianter Stimme und lustigen Stand Up Gags - was will ich mehr? (Mal abgesehen von einem Mann mit behaarter Brust, breiten Schultern und einem Waschbrettbauch, der auch ohne Schemel mir in die Augen sehen kann, wenn er vor mir steht und sogar noch meine Art von Humor versteht!) Anyway, da diesen Tag nichts mehr toppen konnte und mir noch die letzte Nacht in den Knochen steckte ging ich mal vernünftiger Weise nach hause.
 
 
Heute war es soweit. Mieke's großer Tag. Ihre erste Show stand vor der Tür und sie nervös wie Bolle! Und das ohne jeglichen Grund! Alles lief reibungslos. Bis auf den Hänger meiner CD, im Dean Martin Gedächtnis Block. Aber auch der wurde vom Publikum mit großem Applaus aufgenommen. In anschließenden Gesprächen mit einigen Gästen haben sie mir durch die Bank bestätigt, dass genau diese "Hänger" uns so sympathisch machen. Und das Mieke souverän durch die Show geführt hätte. Für mich war das auch ein grandioser Abend mit zwei fabelhaften Kolleginnen. Ich freue mich schon auf die Show im Juni zum CSD, den Mieke wieder moderieren wird.
 
 
Heute war ich auf der Geburtstagsfeier meiner langjährigsten Kölner Freundin Isa. Ich sage bewußt nicht ältesten, obwohl sie selbst von sich sagte "So alt wird keine Sau!" womit sie ja nicht unrecht hat!
 
 
Heute traf ich mich nach der Arbeit mit Melanie und Fabienne zur Besprechung der Aids Hilfe Gala im Maritim zum Cologne Pride im Juli. Fabienne hat uns gebeten uns um die Sponsoren zu kümmern. Sich einen Abend lang um wohlhabende Männer und Frauen zu kümmern?! Da sag ich doch nicht nein! Ich bin schließlich kein Snob.
 
 
Wie nicht anders erwartet fuhr ich, ohne vorherigen Anruf meines Kellners, in den Mittagsstunden nach Hause, wo mich noch der Geburtstagsbrunch meines Exgeliebten erwartete. Das mit Holger war zwar schon einige Jahr her, bevor er als Musikkabaretist erfolgreich wurde, aber dennoch verbindet uns noch immer diese sexuelle Zuneigung, dass wir es einmal im Jahr so richtig krachen lassen. Dieses Jahr hinter den Forsythzien Sträuchern an der Inneren Kanalstrasse in Nippes. Yummy! Lecker und gut wie eh und je!
 
 
Meine größten Befürchtungen wurden war. Die ganze High Society Aschaffenburg's war gekommen, um meinem Bruder zu gratulieren. Und der Bürgermeister hielt seine Rede. Als er mit den Worten begann "Ich werde es kurz machen!" war mir direkt klar, dass wir uns auf einen halbstündigen Monolog gefaßt machen durften. Und meine Erwartungen wurden in keinster Weise untertroffen. Das einzig Gute an der Sache war, dass ich dadurch die Gelegenheit bekam mit dem süßen Kellner zu flirten, der an der Cocktailbar stand, während alle anderen Gäste ehrfürchtig den Worten des OB lauschten und es nicht einmal wagten sich zu räuspern. Den hätte ich mir bestimmt nicht durch die Lappen gehen lassen, mit seinen braunen Rehaugen, breiten Schultern und seiner behaarten Brust. Okay, die konnte man nicht wirklich sehen, weil er schließlich ein bis oben zugeknöpftes Hemd und eine Kravatte trug. Aber meinem geschulten Auge entgingen die drei Haare, die sich am obersten Kragenknopf einen Weg ins Frei bahnten, selbstverständlich nicth. (Joana wären die sicher auch sofort aufgefallen!) Als die Rede rum war endete auch unser Flirt. Ich gab ihm zwar noch meine Telefonnummer, da ich ja noch bis morgen in der Stadt bleibe, aber ich gehe garnicht davon aus, dass er sich melden wird, auch wenn er es beteuerte. Nach den Erfahrungen der eltzen Wochen erwarte ich nichts mehr. Das mag jetzt zwar verbittert klingen, ist aber nur realistisch. I'm too much woman for just one man!
 
 
Die Woche verging wie im Flug. Jetzt ist schon wieder Freitag und morgen geht es in die alte Heimat. Mein großer Bruder hatte am Mittwoch seinen vierzigsten - so alt werde ich bestimmt nie - und feiert im engsten Kreis morgen im Schloß Johannisburg in Aschaffenburg. Soweit ich gehört habe will der Bürgermeister ein Rede halten, na das kann ja spannend werden!
 
 
Bedingt durch das späte nach Hause kommen von heute früh bin ich auch erst in den frühen Abendstunden nach Köln zurückgeflogen. Es ist schon schön, dass ich heute keinen Kulturschock habe. Nicht, dass es keinen Spaß macht, aber so ein freier Sonntag abend hat schon was!
 
 
Nachdem wir ausgeschlafen hatten gingen wir zur Abwechslung wieder mal ein bisschen einkaufen. Wir haben uns aber alles in allem recht gut zurückgehalten. Nicht zuletzt, weil wir abends noch ausgehen wollten und deshalb recht früh nach hause gingen. Wenn man in Berlin von abends spricht würde man in Köln ja eher von Nacht sprechen. Um Mitternacht machten wir uns auf den Weg. Unser Ziel war die Ajpnja Party. Die hatte mir das letzte Mal so gut gefallen, dass ich da wieder unbedingt hin wollte. Warum es in Köln keine Sex Partys gibt kann ich einfach nicht verstehen. Wahrscheinlich hat jeder Angst gesehen zu werden. In Berlin hat die Größe der Stadt wirklich dahingehend ihre Vorteile. Das ist wohl wie mit darkrooms und Parks, sie sind zwar immer voll, aber wenn ich jemanden frage wie es dort so zugeht weiß es niemand, weil er noch nie da war. Ich frag mich was daran so schlimm sein soll anonymen Sex zu haben. Da muss man am nächsten Morgen doch wenigsten niemandem Frühstück machen oder dem Fehler von letzter Nacht am nächsten Morgen noch ins Auge blicken. However, ich hatte auf jeden Fall viel Spaß. Das war das erste mal seit Jahren, dass ich mal wieder erst bei Sonnenaufgang nach Hause kam!
 
 
Heute ging's mal wieder zum shopping. Berlin hat ja so geile Läden, da kann Köln nicht wirklich mithalten. Auch die Leute sind viel cooler und geben kaum was drauf, wie andere rumlaufen. In Köln werde ich ja schon schräg angeschaut, wenn ich in meinem rosa Lackmini zum einkaufen gehe und hier kann man fast nackt aus dem Haus gehen ohne richtig wahrgenommen zu werden. Nicht, dass ich es ausprobiert hätte, dazu bin ich ja viel zu schüchtern. Aber ich hätte es gekonnt! Abends ging ich zum Potsdamer Platz, um mir X-Men 2 anzuschauen. Da ich zu früh war konnte ich noch vorher zum Brandenburger Tor gehen, das ja direkt daneben steht. Es ist schon strange so durch das Tor gehen zu können. Ich bin da ja mal als kleines Mädchen gewesen, als die Mauer noch stand und überall Warnschilder rumhingen "Sie verlassen jetzt den amerikanischen Sektor". Als ob man das gekonnt hätte. Ich fand das damals so absurd. Als würde man aus Versehen über eine drei Meter hohe Mauer klettern, wäre das Schild nicht! Und dann kriegt dich die VoPo in die Finger und denen sagst Du dann "Uups, das Schild hab ich gar nicht gesehen! Und das Minenfeld hab ich auch gar nicht bemerkt. Darf ich mich jetzt bitte drei Stunden anstellen, um einen Liter Milch zu kaufen?!" Machte ja echt Sinn, als ob ein Wessi damals darauf scharf gewesen wäre in den Osten zu gehen, wenn er oder sie nicht gerade Verwandtschaft dort gehabt hat!

Anyway, der Potsdamer Platz ist ganz nett geworden. Schön würde ich es nicht gerade nennen. Ich hatte das Gefühl als wäre ich in George Orwells schöner neuer Welt. Der Platz wirkte wie eine künstliche Insel mitten in der Stadt. Alles war so neu und irgendwie septisch. Da hatte nichts Atmosphäre. Das Sony Center war schon beeindruckend und dass man trotz Überdachung den Eindruck bekam im Freien zu sitzen war auch schön, aber ich konnte mich dem Gefühl nicht erwehren in einer Kunstwelt wie Disneyland zu sein.

Anyway, nach dem Kino traf ich mich noch mit Gabi Tupper im Schwuz in Kreuzberg. Dieser Stadtteil gefällt mir bisher noch am besten. Und die Atmosphäre ist total entspannt. Da kann sich das Kölner Schulz noch einiges abschauen. - Aufgrund des vielen Laufens tagsüber war ich doch recht früh müde und machte mich so um drei auf den Heimweg.
 
 
Erster Mai in Berlin-Kreuzberg, was für eine pfiffige Idee! Tagsüber war das Straßenfest mit folkloristischen Tänzen und Fressbuden ja noch amüsant. Auch die Punks, mit ihren Wahnsinns Frisuren, wie ich sie bislang nur aus London kannte waren total nett und friedlich. Aber kaum sank die Sonne, sank auch die Moral der Leute. Überall wurden Wagen angezündet und Wackersteine fanden ihre neue Bestimmung als Wurfgeschoß auf Polizeibeamte. Das war echt nicht nett. Zum Glück hab ich das alles nur per Fernseher miterlebt - mal von den live Sirenen der Krankenwagen abgesehen. Als sich alles wieder bisschen beruhigt hat sind wir dann doch noch kurz aus dem Haus, um eine Caipi zu genießen, aber das war’s dann auch schon für meinen ersten Tag in Berlin.