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| 30.06.2003 |
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| Engagiert wie ich bin fuhr ich heute trotz sibierischem
Bluthustens nach Seeheim auf eine zweitägige Konferenz,
in der Hoffnung essentielle neue Dinge zu erfahren, die ich
für meine nahe beruflich Zukunft nutzen kann. Doch Pfeifendeckel,
nichts das auch nur annähernd neu für mich gewesen
wäre. Zu meinem Glück reihte sich, dass eine Delegation
Friseure im Schulungszentrum tagte, denen ich mit meinem Gefeuche
und tränenunterlaufenend Augen und Tempotaschentuch im
Gesicht überhaupt nicht auffiel. Aber dem nicht genug.
Folgte ich doch im Augenblick geistiger Umnachtung dem Aufruf
des attraktiven Seminarleiters nach Freiwilligen mit dem Versprechen
eines unvergesslichen Erlebnisses, in der Hoffnung den Tag noch
irgendwie positiv enden lassen zu können. Und was war der
Lohn. Ich durfte mich vor der versammelten Mannschaft zur Idiotin
machen, indem ich mit professionellen Flamencotänzerinnen
auf der Tanzfläche eine Cessida, Tessada, Tortilla oder
was auch immer tanzen durfte. Wenn das nicht das Opfer wert
war! |
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| 29.06.2003 |
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| Toll, da habe ich das Wochenende mal nix vor,
das Wetter ist klasse, es ist Straßenfest im Bermudadreieck,
wo haufenweise attraktive Singles rumlaufen und was mache ich?
Ich liege mit Schüttelfrost - und das ist keine Figur aus
einem Batmankomik - und Bronchitis im Bett! Wenn ich nicht bis
spätestens Freitag zur Gala fit bin, dann flip ich aus! |
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| 27.06.2003 |
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| Heute gingen die ersten beiden "altgedienten"
Kollegen, die innerhalb der Umstrukturierung keinen neuen Platz
gefunden haben. So sehr ich mich in der Vergangenheit mit und
über Frieda geärgert hatte, so macht die Art und Weise
wie mit ihr in den letzten Wochen und Monaten umgegangen worden
ist doch etwas nachdenklich wie es mir wohl mal eines Tages
ergehen wird, wenn ich nicht mehr neunundzwanzig bin und die
Firma mich loswerden muß. Ich sollte mich schleunigst
nach einem Mann umsehen, der mir eine finanzielle Stütze
sein kann, wenn es mal soweit ist. |
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| 26.06.2003 |
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| Im Büro kehrt so langsam Endzeitstimmung
ein. Zum ersten Juli sollen ja die Hebel umgelegt werden und
eine neue Zeitrechnung beginnen. Da das für einige das
Ende bedeuten wird ist die Stimmung nicht wirklich klasse. Und
innerhalb dieser "Euphorie" durfte ich auch noch in
die verbotene Stadt, meinem zukünftigen Wirkungskreis.
Die Kollegen und Kolleginnen sind ja alle lieb und nett, aber
ein bisschen einsam fühle ich mich dort ja schon. Wenn
ich in Zukunft als einzige Kölnerin täglich nach "Alt"Stadt
fahren soll. Hoffentlich verschiebt sich der Termin der Umsetzung
noch eine Weile! |
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| 22.06.2003 |
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Ein mehr als schwarzer Tag. Heute sollte der
letzte Kulturschock auf dem Kartäuserwall stattfinden.
Was noch vor Wochen als Highlight gedacht war, den ersten Open
Air Schock mit dem SCHULZ zusammen zu fahren, wurde doch arg
getrübt durch die Tatsache, dass das Haus in circa vier
Wochen für immer schließen wird.
Doch das sollte nicht das einzige bleiben, das mich nachdenklich
stimmen sollte. Nein! Hatte sich doch tatsächlich Gabi
wieder aus der Asche erhoben, in die sie für mich vor einem
halben Jahr zerfiel, nachdem sie hinter meinem Rücken gegen
mich intrigierte. Ich gönne es ihr durchaus umjubelt zu
sein. Schließlich ist sie eine sehr komische Person auf
der Bühne - wenn ich das mal auch privat von ihr sagen
könnte - aber dass sich meine Freunde (?) mit ihr scheinbar
prächtig vor und während der Show unterhielten, nachdem
sie mich und uns so beschimpft hatte, nachdem sie aus eigenen
Beweggründen gegangen war, das finde ich schon sehr fraglich!
Doch dem nicht genug. Wurde mir doch auch noch mein Portemonnaie
entwendet, während ich auf der Bühne war, obwohl ich
meinen Freunden (?) vorher mehrmals sagte, dass der Inhalt meiner
Handtasche mein halbes Leben beinhalte. Das war aber wohl nicht
eindringlich genug, denn als ich nach der letzten Nummer der
Show auf der Bühne gehalten und die restlichen KünstlerInnen
auf selbige gerufen wurden hielt es keine/r für nötig
meine Wertsachen mitzunehmen oder wenigstens einem vertrauenswürdigen
Zuschauer oder Helfer in die Hand zu drücken. Nein, statt
dessen rannte man auf die Bühne und informierte mich dort
noch, dass die Handtasche jetzt unbeobachtet sei. Tja, nicht
unbeobachtet genug. Einer hat's gesehen und den Nutzen daraus
geschlagen! |
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| 21.06.2003 |
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| Dank meines neuen fahrbaren Untersatzes habe
ich eine alte Freundin in Herne besucht. Sie kenne ich noch
aus der Zeit, als ich mich als Fallschirmspringerin in Kassel
Calden versucht hatte. Das war zwar nur eine kurze Karriere,
da ich bei meinem siebten Absprung in der Hochspannungsleitung
landete - seither habe ich diese wunderbaren Locken - und Calden
zwanzig Minuten stromtechnisch lahm legte, aber die Freundschaft
ist uns bis heute geblieben. Das war eine Freude, sie nach so
langer Zeit wiederzusehen. Durch sie habe ich auch Betty La
Minga kennengelernt, bevor sie hier in Köln wie eine Granate
einschlug. Das witzige ist, dass Bettina - meine Freundin -
Betty schon kannte, als sie noch Birgit hieß. Aber das
erzähle ich besser nicht weiter! |
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| 18.06.2003 |
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| Mel hat eine neue Berufung gefunden. In Zukunft
wird sie nur noch vor Bestattern auftreten. Tja, Not macht erfinderisch.
Hatte schließlich ein Dussel von Umzugsfuzzi ihre Kostume
ungeschützt auf die Terrasse gestellt und der nachfolgende
Regen der letzten Tage tat sein übriges. Fast ihre gesamten
Kostume fielen dem Schimmel zum Opfer. Da bleibt ihr jetzt ja
kaum noch eine andere Alternative als vor Bestattern aufzutreten.
Die sind den Stockgeruch immerhin gewohnt und bemerken ihn bestimmt
nicht. Oder sie könnte eine Kino Karriere in Erwägung
ziehen. Im zweiten Teil von "Super süß und super
Sexy", der unter dem Titel "Super nass und super stockig"
laufen soll hat sie bestimmt eine Chance! |
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| 17.06.2003 |
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| Ich habe wieder ein Motorrad! Spontan wie ich
bin habe ich mir eine fette Funduro gekauft. Jetzt rase ich
mit achtundneunzig PS und fast tausend Kubikzentimetern zwischen
den Schenkeln über die Straßen. Endlich vibriert
mal wieder was zwischen den Beinen, wann immer ich will! |
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| 14.06.2003 |
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Na das war ja vielleicht ne Pleite. Da der Hamburger
CSD nicht genügend Sponsoren hatte fiel die Parade total
mickrig aus. Das ist doch echt kaputt. Eigentlich ist der CSD
eine Demonstration, um an den Aufstand der Schwulen und Transen
im Stonewall in New York vor über fünfundzwanzig Jahren
zu erinnern. Der erste Aufstand einer unterdrückten "Minderheit",
der seither celebriert wird durch diese Parade und statt dessen
warten jetzt die Schwulen und Lesben darauf, dass West, Jacobs
oder Benson & Hedges genügend Kohle rausrücken,
damit sie sich chice Fummel leisten können und genügend
Gagen an irgend welche Heten zu zahlen, damit eventuell auch
noch lokale Fernsehsender das ganze Spektaktel zu filmen. Klar,
dadurch wird auch in den hintersten Winkel der Republik gesendet,
dass es sich nicht um eine Minderheit handelt, aber wer wird
denn gefilmt? Transen, schrille Fummel oder Lederkerle, die
halb nackt irgend wo rumvögeln. Ob das im Sinne von Stonewall
ist?
Na ja, und da diese Spnsoren fehlen fällt die Demo aka
Parade fast ins Wasser und das, wo das Wetter so klasse ist.
Na da bin ich ja mal auf den in Köln gespannt! |
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| 13.06.2003 |
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| Heute gings wieder nach Hamburg. Morgen ist CSD
und nach dem Spaß, den ich letztes Jahr hatte lasse ich
mir den durch den noch immer geschwollenen Fuß nicht nehmen! |
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| 11.06.2003 |
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| Das SCHULZ meldet Insolvenz an. Das heißt
wir Schocklett's sind heimatlos und ich hatte meinen letzten
Auftritt in der Katakombe irgend wann im April - nicht mal beim
Saisonende war ich dabei. Das stimmt mich schon irgendwie sentimental. |
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| 07.06.2003 |
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| Mein Fuß ist immer noch geschwollen und
mittlerweile könnte man denken ich hätte Gefrierbrand!
Vor lauter Kühlung blättert meine Haut in riesigen
Fetzen vom Fuß. Trotz literweiser bodylotion krieg ich
das nicht in den Zaum. Hoffentlich geht das bis zum Open Air
Schock weg, sonst muß ich in blickdichten Stümpfen
auftreten. |
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| 06.06.2003 |
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| Die letzten Tage hier in den Highlands vergingen
wie im Flug. Kein Wunder. Wanda lebt ja auch wie eine Fürstin.
Nichts fehlt an Luxus. Mich hätte es nicht gewundert, wenn
sie Braveheart als Bodyguard gehabt hätte. (Dass sie ihn
perönlich gekannt hat, davon bin ich allerdings überzeugt!) |
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| 02.06.2003 |
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Ich hab mich dann doch entschlissen heute noch
nach Schottland zu fliegen. Ein Leserbrief in der RIK hat mich
dazu bewogen Wanda auf ihrem Anwesen zu besuchen. Letzten Monat
hatte sich Mabel Donovan ja darüber ausgelassen, dass sie
es unmöglich fände, dass Wanda beabsichtigen würde
wieder auf die Bühne zu gehen. Ob das so ein Diven Gehabe
sei, bei dem die Künstlerin dauernd ihren Abtritt von der
Bühne erklärt und dann ettliche come backs feiert.
Was weiß denn Mabel schon, schließlich hatte Wanda
immer gesagt, dass sie immer mal wieder zu sehen sei. Schließlich
ist sie nicht tot, sondern nur im Ruhestand. Außerdem
denke ich, dass da jemand ganz anderes dahinter steht, die Angst
bekommen hat, dass Wanda ihr mal wieder die Grenzen zeigt. Schließlich
war und ist Wanda ein Multitalent, das mit Können brilliert
und nicht mit der Kunst andere, zugegebener Maßen, perfekt
zu kopieren. Aber hätte es diese Showgrößen
nicht vor ihr gegeben, dann hätte dieser Stern sich doch
eher als Komet entpuppt. Und genau das stand diesen Monat in
einem Leserbrief in der RIK!
Zum Glück hatte sich Wanda von diesen Angriffen nicht beeinflussen
lassen. Wie ich ihr bei einem Gläschen Wein bestätigte
freuen wir uns alle darauf sie im September mit Herrn Noblesse
und Duotica auf der Bühne des Atelier Theaters zu sehen.
Jetzt müssen zwar die Künstlerinnen, die sich in Sicherheit
wähnten wieder fürchten, dass sich jeder daran erinnert
wie genial Wanda war - und noch ist - aber Konkurrenz belebt
schließlich das Geschäft! Ich bin auf jeden Fall
froh, dass die alte Dame es wieder mal nach Köln verschlagen
wird und uns Freue bereiten wird! |
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| 01.06.2003 |
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| Heute musste ich leider wieder nach Köln.
Nicht dass es mir da nicht gefällt, aber hier am Pool in
der Sonne zu liegen hätte ich durchaus noch ein paar Tage
ertragen. Aber was soll ich machen, die Kollegen im Büro
sind ohne mich einfach aufgeschmissen und Immelda vermisst sicher
auch schon ihre tägliche Demütigung durch mich. Als
Arbeitgeberin trage ich nun mal erhebliche Verantwortung und
verantwortungsbewusst wie ich bin kann ich halt nicht anders
als nach Köln zurückzufliegen. |
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