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Lebenslauf  
Ich wurde vor nicht allzu langer Zeit in einer Kleinstadt Namens Aschaffenburg geboren, als Tochter einer Diplomkosmetikerin und eines Polizeibeamten. Vor mir gab es bereits einen großen Bruder, der mich natürlich immer triezte. Durch den ich später aber auch alle Hürden genommen bekam, wie Mofaführerschein, Tanzkurs, lange ausgehen und was sonst noch von Eltern nicht gerne gesehen wird, weil man könnte ja später mal nichts werden.

Die ersten Jahre verliefen recht unspektakulär. Wir wohnten in Damm, gegenüber eines Friedhofs. Ich fand das scheinbar schon als Kleinkind so deprimierend, dass ich mich aus dem Badezimmerfenster unserer Wohnung im 3.Stock stürzen wollte. Mein Bruder fand das aber wohl nicht so gut und klammerte sich an meine Beine und schrie, bis ich schließlich wieder zurück ins Bad gezerrt wurde. Okay, erster Versuch missglückt. Katholisch wie ich war ging ich dann noch in Damm zur Kommunion, bevor wir nach Hösbach umzogen. Das Beste daran war, dass meine Mutter ja viele Kundinnen hatte, die mir dann alle was schenkten. Ich hatte ja auch einiges nachzuholen. Schließlich wohnten fast alle Onkels und Tanten im Ausland und somit bekam ich von denen ja nie was. Und die zwei, die in Deutschland geblieben waren waren geizig. Mein Taufpate inklusive!

Als wir kaum in Hösbach wohnten verließen wir erstmal den öden Fleck, direkt an Zuckerrübenfeldern und Kartoffelackern gelegen. Wir flogen nach Amerika, um meine Tante Edith und meinen Onkel Horst zu besuchen. Wir blieben ganze vier Wochen und fuhren mit einem riesigen Wohnwagen durch Californien und Nevada und was halt sonst noch da so rumliegt. Mein Onkel war bereits geschieden und meine Tante aus Vegas verwitwet und geschieden. Sie hatte allerdings schon drei Söhne und einen Enkel, der origineller Weise John heißt, ganz wie sein Vater. Anyway, der Urlaub war klasse - Dornröschen hat mich geküßt!!!!

In Hösbach kannte jeder jeden, egal ob du ihm schon mal begegnet bist oder nicht. So passierte es mir mal in einem kleinen Malereiladen, dass mich der Verkäufer fragte wo ich wohnen würde und als ich sagte bei der Hildegard im Haus, dass er antwortete "ach, dann bis du die Kleine von dem Polizisten!" Ist das die Possibilité?! Nagut, damit musste ich wohl leben. Das Schlimme war nur, dass alle Streiche, die man spielte sofort zurückverfolgt werden konnten.

Nachdem ich aus den Fehlern meines Bruders lernte, ging ich an ein Mathematisch- Naturwissenschaftliches Gymnasium, um statt Latein Französisch lernen zu können. (Und Gott weiss, das lernte ich gut! Nur in der mündlichenn Prüfung wäre ich fast erstickt!) Das mit Mathe war aber eher ein Schuß in den Ofen. Nur weil ich in der Grundschule gut war... wie auch immer - ich schaffte es mit Mühe bis zur zehnten Klasse. Dann war ich reif. Nicht zuletzt wegen der Trennung meiner Eltern hatte ich gewisse Lernprobleme und hatte am Ende als beste Note ein befriedigend in Musik. Der Rest war nicht das Papier wert, auf dem es geschrieben wurde. Das Wiederholungsjahr war äußerst erholsam. Ich schrieb ohne Anstrengung nurnoch einser. Auf diesem Höhenflug ging ich in die elfte und die Realität holte mich ein. Da meine Noten das alte Niveau erreichten entschieden wir uns, dass ich nach Hessen auf die Oberstufe gehen solle. Das Schulsystem war eher nach meinem Geschmack. Hier wurde die mündliche Note der Schriftlichen gleichgestellt. Und im Reden war ich ja schon immer gut. Wie oft hatten meine Lehrer und Lehrerinnen das beim Elternsprechabend erwähnt und sogar in meine Zeugnisse geschrieben: "Die aufgeweckte und gesprächige Schülerin...". Siehe da, die Noten wurden besser. Das interessante an dieser Schule war, dass mehr Bayern, als Hessen sie besuchten. Noch interessanter zu beobachten war, dass die Bayern immer die Lautesten waren - außer mir natürlich.

Kurz vor dem Abi wollte ich eigentlich meine Tante in Vegas besuchen, doch leider starb in dem Jahr mein Cousin Steve auf tragische Weise. Er wurde auf der Hebebühne, die bekannter maßen nicht isoliert war, durch ein Starkstromkabel getötet. Da ich jetzt meine Chance nach USA zu kommen erstmal in weite Ferne gerückt sah, nahm ich meine Ersparnisse und besuchte in den Ferien einen Fallschirmspringerkurs in Kassel-Calden. Tja, was soll ich sagen. Mein zweiter Selbstmordversuch wurde auch vereitelt. Bei meinem siebten Sprung aus einer Cesna (ist ein kleiner Propellerflieger) aus 1000 Metern Höhe war es recht windig. Und obwohl ich wußte, dass sich stille Gewässer, nördlich des Absprunggebiets Hochspannungskabel und ein Steinbruch westlich davon befanden sprang ich. Da die Winde aus Norden kamen wurde ich weit abgetrieben. Kurz vor der Landung sah ich zwar paar Kabel, da ich sie aber eher für Telegraphenmasten hielt machte ich mir keine weiteren Sorgen. Was mich viel mehr beunruhigte war der Kartoffelacker auf den ich zusteuerte. Ich wollte mir schließlich nicht die Knöchel brechen. Nunja, die Landung war butterweich, dafür verhedderte sich aber mein Fallschirm - damals noch ein Kuppenschirm, die Flächenfallschirme kamen erst in Mode - in den Kabeln und ich hörte noch ein schwaches "Wupp", als hätte sich was entflammt. Noch ehe ich richtig in Panik geraten und mich von dem Geschirr, in das ich geschnürt war, befreien konnte, löste sich der Schirm aus den Kabeln und wurde von einer Windboe erfaßt. Mit Schmackes wurde ich wieder in mein Geschirr gezerrt und schliff jetzt über den Schotterweg, der entlang des Kartoffelackers führte. Die Panik war perfekt. Ich werde nicht gegrillt sonder zu todegeschliffen, wie im wilden Westen. Doch auch diese Joyride war nur von kurzer Dauer. Zu meinem Glück verfing sich die Kuppe im Stacheldraht des E-Werks. Welch Ironie! Wäre mir der Zeitungsartikel nicht Jahre später bei einem tätlichen Angriff gestohlen worden hätte ich noch schriftliche Erinnerungen an diesen Urlaub. Aber ich kenne noch genau die Schlagzeile: "Fallschrimspringer setzt Kassel - Kalden 20 Minuten außer Strom" (damals war man noch nicht PC) und meinen Spitznamen hatte ich auch weg "Mrs.20.000 Volt"! Danach bin ich komischer Weise nie wieder gesprungen, aber meine Leidenschaft für Fesselspiele könnte von damals kommen!?!

Zu meiner größten Überraschung wurde das mit Amerika dann doch noch was. Meine Tante lud mich im nächsten Jahr ein und übernahm alle Kosten. Da ich ja nach amerikanischem Gesetz minderjährig war blieb mir leider nicht viel Bewegungsfreiheit. Also verbrachte ich viel Zeit mit "Shrea - Prinzess of Power", "He-Man" und dieversen Sitcoms. Allerdings habe ich dadurch echt gut englisch gelernt. So gut, dass ich auf der Abifahrt nach Rom, am Gardasee instinktiv englisch sprach, obwohl ich eigentlich französisch sprechen wollte. However, seither nutze ich jede Gelegenheit nach USA zu reisen oder irgendwas in englisch zu sehen. Das geht so weit, dass ich den Cinedome fast nur von aussen kenne und meist alleine ins Kino gehe, da die wenigsten meiner Freunde auf Action, Sci-Fi und geschweigedenn Originalmovies stehen! (But british beats me!)

Nachdem ich das Abi so einigermaßen hinter mich gebracht hatte stellte sich mir die Frage "Was werden?!". Laut Arbeitsamt hätte ich eine soziale Ader. (Naja, aus heutiger Sicht würde ich das bestätigen. Schließlich nehme ich alle mit nach Hause, die scheinbar kein Zuhause haben!) Das war mir aber nix. Ich wollte was von der Welt sehen. Mein Plan war es Stewardesse zu werden. Irgendwie schaffte es mein (zweiter) Vater - meine Mutter war mittlerweile geschieden und hat einen Mann mit einem Sohn und einer Tocher geheiratet - mich davon zu überzeugen eine kaufmännische Ausbildung zu machen ("Dann hast Du was solides, wenn Du mal nicht mehr fliegst!"). Du meiner Überraschung gefiel mir das Berufsfeld. Nach der Ausbildung bewarb ich mich bei DER französischen Fluggesellschaft. Was für ein Fehler, oder auch nicht! Die folgenden Jahre waren echt Krankheitsfördernd. Ich hatte sechs Magengeschwüre ehe ich den Absprung fand. (Jetzt fragt Ihr Euch sicher was nicht daran falsch war.) Naja, ohne diese Bewerbung wäre ich schließlich nie nach Köln gekommen. Irgendwann hörte DIE deutsche Fluggesellschaft von meinem Wunsch nach Änderung des Berufsumfeldes und warb mich ab. Mit wehenden Fahnen wechselte ich und bin seither beim Kranich!

Da die Anfangszeit recht öde war, ich kannte ja niemanden, entschloss ich mich mein, noch in Bayern erworbenes, Hobby aufzunehmen und suchte mir einen Volleyballverein. Das machte auch viel Spaß, aber als es anfing eher eine Funveranstaltung zu werden, ohne den nötigen Biß, hörte ich auf. Köln bot mir aber auch die Chance wieder mit dem Tanzen anzufangen. Nachdem ich ja schon einige Tanzkurse absolviert hatte wollte ich mal die nordischen Tänze lernen. Schon nach kurzer Zeit gab ich schließlich selbst AnfängerInnen Kurse. Aber auch das erfüllte mich nicht wirklich. Ich begann zu singen. Zusammen mit ein paar Jungs tingelte ich durch Deutschland und trat überall auf, wo man uns ließ. Auch das wurde aber irgendwie öde. Die kreativen Köpfe gingen leider und die, die übrig blieben waren eher Konsumenten, als Beitragende. Nichts für Ungut, aber zwanzig Mann zu aktivieren ist selbst für mich ein bischen zu viel. Zum Glück gab es aber noch meinen mittlerweile besten Freund Dirk, der den Kulturschock in die Welt rief. Hier hatte ich die Möglichkeit meine Kreativität zu entdecken und zu entwickeln. Ich genoß die Jahre an seiner Seite, umso schlimmer war das vergangene Jahr für mich, als Dirk wirklich plötzlich und unerwartet starb. Ich hatte noch nicht die neue Situation verstanden, da verunglückte drei Monate später meine kleiner Bruder tötlich bei einem Autounfall. Seither versuche ich um beide zu trauern, doch finde ich nicht die Zeit. Vielmehr denke ich immernoch sie kämen jeden Moment aus dem Urlaub zurück. Life isn't what it has been.

In der Zwischenzeit verheiraten sich alle Freunde um mich herum und auch mein großer Bruder ging den Weg in den ewigen Bund mit einer wahnsinnig attraktiven Frau. Die haben es gut! Aber vielleicht ebnet mir mein Bruder auch diesmal den Weg und ich bin auch bald dran?! Warten wir's ab....