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Lebenslauf

Geboren wurde ich am 12.November in einem kleinen Dorf Namens Jasnaja Poljana. Sollte Dir der Ort bekannt vorkommen, dann liegt das daran, dass Tolstoj auch dort geboren wurde.

Direkt nach meiner Geburt floh meine Mutter mit mir nach Bayern. (Mich hat ja keiner gefragt!) Zum Glück bekam ich davon aber nicht viel mit; schließlich wanderte meine Mutter schon wenige Jahre später mit mir in die USA aus.

Als Diplom Kosmetikerin bekam sie direkt eine Stelle bei Elisabeth Arden in der 5th Avenue in Manhattan und ich bekam meine Nanny!

Wir verbrachten eine wunderbare Zeit in unserem three-bedroom-appartment in Chelsea. Unsere Nachbarn waren unheimlich nett. Mich wunderte damals nur, dass es so viele sympathische Männer gibt und keiner wollte was von meiner Mutter! Später erklärte mir meine Mutter die ganze Sache...

Neunzehnhundertachzig zogen wir zurück nach Bayern, genaugenommen nach Unterfranken, in den Ort Hösbach, in die Nähe von Aschaffenburg - wo es das einzige stilgetreue Renaissance Schloß Europas gibt. Das war absolut nicht nach meinem Geschmack. Wer könnte es mir verdenken, dass ich lieber in Manhatten geblieben wäre, als in ein Kaff am Fuße des Spessarts zu ziehen. Selbst Lilo Pulver war nur mittels einer horrenden Gage dazu zu bewegen in Mespelbrunn den Film "Wirtshaus im Spessart" zu drehen und sofort wieder abzureisen, als die Dreharbeiten vorüber waren. Die einzig positiven Erinnerungen, die ich mit Aschaffenburg verbinde sind mein erster Freund und auf den Spuren von Lola Montez wandeln zu können, die im Lustschloß im Schönbusch als heimliche Geliebte des bayerischen Königs Ludwig I. lebte.

Ansonsten geschah in den darauffolgenden Jahren nichts Wesentliches. Ich besuchte ein neusprachliches Gymnasium und in meinen Ferien trampte ich durch Europa oder frönte meinem Hobby, dem Fallschirmspringen.

Endlich war es so weit. Im Zuge des Mauerfalls und von Glasnost durfte meine Schwester Pula in den Westen kommen. Was wir bis dahin nicht wussten war, dass Pula eine KGB Agentin war und zusammen mit Xenia Onatop als Sekretärin im Oval Office in Washington gearbeitet hatte. Doch dieses Kapitel hatte sie zum Glück abgeschlossen. (Geht das eigentlich so einfach? Ich sollte Sie diesbezüglich nochmal ansprechen, wenn sie aus Kabul zurück ist.)

Nachdem ich mein Abitur mit Bravour bestanden hatte machte ich erst einmal eine Weltreise. Da ich als Schülerin ja nicht viel Geld besaß und ich unabhängig bleiben wollte mußte ich mich mit Tagesjobs finanzieren.

Zurück in meiner "Heimat" (So richtig zuhause fühlte ich mich in Deutschland nie.) begann ich meine Ausbildung zur Aerobic Lehrerin. Okay, das klingt nicht sehr anspruchsvoll, zumal ich schließlich mein Abitur hatte, aber ich wollte den Menschen helfen eine so durchtrainierte und schlanke Figur zu haben wie ich. (Ich weiß, ich bin zu wertvoll für diese Welt!)

Um meine neue Profession richtig zu fundieren ging ich ins Mekka der Körperbewußten - nach Californien. Da ich immernoch nicht viel Geld besaß bewarb ich mich um eine Au-pair Stelle und wurde auch direkt an ein reiches Ehepaar in Beverly Hills vermittelt. So fesselnd diese Bindung auch war kehrte ich zurück nach Deutschland, allerdings verschlug es mich diesmal nach Köln.

Um viele Erfahrungen reicher, aber nach wie vor nicht wirklich finanziell unabhängig nutzte ich meine neugewonnene Beweglichkeit. Für kurze Zeit entdeckte ich meine soziale Ader und arbeitete als Streetworker in der Hornstraße, stellte aber bald fest, dass ich für höheres geboren war. Daher folgte ich dem Ruf Lindbergh's und startete meine Karriere bei der polnischen Fluggesellschaft LOT.

Die Jahre vergingen wie im Flug und prinzipiell fand ich es auch in Ordnung allen Menschen zu dienen und den Herren ein Wohlgefallen zu sein, aber die Tatsache meine Haare schwarz färben zu müssen fand ich doch zu störend. Also kehrte ich der Luft den Rücken und betrat die Bretter, die die Welt bedeuten.

Wo besser, als in Köln, der Heimat der Kellertheater und Kleinkunst hätte ich meine Karriere starten können. Nachdem ich auf meinen Reisen um die Welt so viel über den Kulturschock gehört hatte war dies natürlich meine erste Adresse, um mich der Welt zu präsentieren.

Recht schnell lagen mir wieder alle Männer zu Füßen. Um der neuen Anforderung gewappnet zu sein besuchte ich erst einmal Wanda Rumor's Akademie für Modernen Tanz in Upsala. Ich hatte sie schon zuvor auf einigen Ihrer Shows in der Hollywood Bowl in Los Angeles oder der Eröffnung der Olympiade in Seoul gesehen, während einer meiner Reisen. Da wir mittlerweile gute Freundinnen geworden waren konnte nur sie meine erste Wahl sein.

Anyway, seither habe ich sehr viel Spaß im Kulturschock. Ich habe viele neue Freunde dazugewonnen und leider auch verloren. Der Tod meines Mentors und besten Freundes Dirk Rinck hat mich schwer aus der Bahn geworfen, doch ich hoffe in seinem Sinne den Spirit des Kulturschocks zusammen mit den Kollegen und Kolleginnen aufrecht zu erhalten.

Ich hoffe sehr, dass es Mutter Beimer und Reba gut geht. Die beiden folgten dem Ruf anderer Metropolen und leider habe ich sie seither nicht mehr auf der Bühne getroffen. Nun ich bin mir sicher, dass wir uns bald bei einer meiner Shows treffen, oder wenn ich demnächst mal wieder auf einer Messe auftrete.

Da ich vom Kulturschock und gelegentlichen Engagements nunmal nicht alleine leben kann und ich noch nie zu den Frauen gehörte, die sich von reichen Männers aushalten ließ - auch nicht als ich mit diesem Millionär aus Linsengericht zusammen war - mußte ich mir wiedermal einen Job suchen. Den fand ich in einer Parfümerie.

Recht schnell wurde ich Leiterin der Abteilung und so habe ich jetzt Christine, Frieda, Yu Ming und Giorgia unter mir. Das ist manchmal recht turbulent mit fünf Frauen, das könnt Ihr Euch sicher vorstellen. Dank meiner mir angeborenen Zurückhaltung gelingt es mir aber doch immer alle zur harmonischen Zusammenarbeit zu bewegen.